Kolumne: Warum das Beschützer-System von The Division 2 noch immer nichts taugt

Kolumne
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Das Beschützer-System von Tom Clancy’s The Division 2 lässt Spieler anderen Agenten helfen und belohnt sie dafür. Oder etwa doch nicht? Nicht zuletzt für diese Kolumne bin ich für einige Stunden in die Rolle des guten Hirten geschlüpft. Leider kann das System auch nach der Überarbeitung im Rahmen von Episode 2 nicht überzeugen. Oder mit anderen Worten: Es ist noch immer völliger Murks!

Vorwort

Nachdem ich schon im ersten Teil nicht alle Belobigungen erspielt habe – die drei Millionen Erfahrungspunkte im Letztes-Gefecht-Modus waren mir einfach zu blöd – wollte ich das Unterfangen, den perfekten Belobigungs-Score zu erreichen, in Teil 2 ein weiteres Mal wagen. Bis zuletzt gelang mir das eigentlich recht gut. Am Ende warteten nur noch zwei Belobigungen darauf, abgehakt zu werden: Den Beschützer-Rang 25 zu erreichen und den Raid makellos zu absolvieren, also ohne dass ein Teammitglied stirbt.

Während die Raid-Belobigung noch auf ihre Erledigung wartet, habe ich mich vergangene Woche an das Beschützer-System herangetraut. Zwar konnte ich nach drei Tagen den Haken hinter die Belobigung setzen, doch Spaß hatte ich nicht wirklich, da das System einfach zu viel Potential verschenkt. Anstatt als helfender Spieler belohnt zu werden, fühlte ich mich vom Spiel gleich mehrfach gegeißelt.

Problem-System

Das Prinzip hinter dem Beschützer-System ist eigentlich recht simpel. Ein Spieler in Not setzt einen Hilferuf ab. Andere Spieler, die Hilfe leisten möchten, können dann entweder manuell oder sogar automatisch via Matchmaking in die Sitzung des um Hilfe rufenden Spielers springen, ihn vom Boden aufkratzen und gemeinsam eine Mission oder andere Aktivitäten absolvieren.

Abschüsse von Gegnern sowie Abschlüsse von Aufgaben füllen einen separaten Erfahrungspunkte-Balken. Ist dieser bis zum Ende gefüllt, gewährt das Spiel dem Helfer eine Empfehlung. Der Spieler, dem geholfen wurde, hat zudem die Möglichkeit, selbst noch eine weitere Empfehlung auszusprechen.

Hat man genug davon gesammelt – 15 für den ersten Rang, 7 für alle weiteren – steigt man eine Beschützer-Stufe auf. Wiederholt man dieses Spiel bis Rang 25, gibt’s die Belobigung, die ich unbedingt einheimsen wollte. Wer dann noch nicht genug davon hat, kann bis Rang 99 weitermachen. Mir ist die Lust auf dem Weg zu Rang 25 allerdings mehrfach vergangen, denn das System leidet unter zahlreichen Problemen.

Verzögerte Rufe

Das Beschützer-System soll es Spielern in Not ermöglichen, nach Unterstützung zu rufen. So weit so gut. Doch oftmals landet man erst in der Sitzung eines Spielers, wenn dieser durch einen Respawn schon wieder von den Toten auferstanden und die Situation längst bereinigt ist. Vermeintliche Spieler in Not stehen dann oftmals einfach nur in einem Safehouse oder in der offenen Spielwelt herum, kramen in ihrem Inventar und wollen offensichtlich gar keinen weiteren Aktivitäten nachgehen.

Teilweise sind die sogar so verdutzt über den neuen Agenten in ihrer Gruppe, dass sie diese kurzerhand selbst verlassen und so die Flucht nach vorn antreten. Als Helfer bleibt nur das erneute Warten auf den nächsten Hilfesuchenden. Das nervt!

Balkenfüllung

Helfer verfolgen natürlich primär das Ziel, ihren Beschützer-EP-Balken zu füllen, um Empfehlungen zu erhalten und so im Rang aufzusteigen. Das gelingt – wie bereits erwähnt – durch Abschüsse von Feinden und den Abschluss von Missionen oder anderen Aktivitäten. Das Lustige daran ist, der Balken füllt sich sogar dann, wenn man als Beschützer völlig passiv neben dem oder den Hilfesuchenden steht und sie die ganze Arbeit machen lässt. Die Gruppenleistung zählt, nicht die des individuellen Helfers.

Ist der Balken voll, gibt’s die ersehnte Empfehlung vom Spielsystem selbst. Der Spieler, dem man (mehr oder weniger aktiv) unter die Arme gegriffen hat, darf dann ebenfalls eine Empfehlung aussprechen. In den meisten Fällen findet dies aber nicht oder nur nach mehrfacher Chat-Aufforderung statt. Sei es dem mangelnden Wissen über das System oder der Ignoranz anderer Spieler geschuldet, fleißige Helfer bekommen auf diese Weise oftmals einen Tritt in den Allerwertesten verpasst.

Als Hirte helfe ich richtig, bin aktiv dabei und versuche, den anderen Spielern so gut es geht unter die Arme zu greifen. Wenn man anschließend mit nur 50% der möglichen Belohnung die Sitzung verlässt, fühlt man sich schon sehr veräppelt. Hinzu kommt, dass es nur nach der ersten Füllung des EP-Balkens möglich ist, einen Spieler zu empfehlen. Alle weiteren Füllungen bringen nur einen völlig nutzlosen EP-Boost.

Selbst wenn man also einen Spieler gefunden hat, der die Hilfe zu schätzen weiß und das System verstanden hat, kann man die Sitzung nach einer Balkenfüllung getrost wieder verlassen. Warum darf man solchen Leuten nicht längerfristig helfen und gleichzeitig kontinuierlich am Beschützer-Rang arbeiten?

Abbrecher

Das Füllen eines Balkens nimmt je nach Aktivität im Schnitt etwa 10 bis 15 Minuten in Anspruch. Widmet man sich nur kleineren Aufgaben in niedrigen Schwierigkeitsgraden, trifft man auf weniger Gegner, was zugleich eine langsamere Füllung des Fortschrittbalkens bedeutet. So passiert es häufig, dass man zusammen mit dem hilfesuchenden Spieler zwei oder drei Aktivitäten in der offenen Spielwelt absolviert und sich der Balken bis kurz vor 100% füllt.

Dann fällt den ach so notleidenden Spielern plötzlich ein, dass sie doch keine Hilfe mehr benötigen und verlassen die Sitzung. Der Helfer guckt in die Röhre, der Balken fällt beim nächsten Anlauf nämlich auf 0% zurück. Warum bleibt der Fortschritt nicht erhalten? Genau so gut könnte man bei der Annahme des nächsten Hilferufs einfach dort weitermachen, wo man aufgehört hat. So ist es nur ein weiterer Hieb in die Magengrube.

Zeitaufwand

Sieben Empfehlungen bis zum nächsten Rang (mit Ausnahme der 15 Empfehlungen bis zum ersten Rang) hört sich im ersten Moment vielleicht nicht nach viel Aufwand an, ist es am Ende aber doch. Bedenkt man die Abbrecher, Pausen zwischen Aktivitäten und Wartezeiten bis zur Annahme neuer Hilferufe durch das Matchmaking, nimmt ein Stufenaufstieg mitunter bis zu 90 Minuten in Anspruch. Wenn es gut läuft, ist ein Aufstieg auch in unter einer Stunde möglich. In meinem Fall hat mich das Erreichen von Rang 25 gut und gerne 30 Stunden gekostet. Es fühlt sich nicht nur zäh an, das System ist es auch.

Zurücksetzung

Doch als größte Watsche ins Gesicht aller helfenden Spieler erweist sich die vollständige Zurücksetzung des Rangs, die alle paar Wochen stattfindet. Zwar erhält man mit dem Reset eine einzigartige kosmetische Belohnung, dennoch ist all der oftmals leidvoll erzielte Fortschritt wieder futsch. Den Reset könnte man sich sparen und stattdessen für jeden vollendeten 10er-Schritt im Rang eine weitere Anerkennung einführen. So wie auch jede Stufe der Belobigungen mit einer kleinen Belohnung aufwartet.

Hat man als Spieler erst mal den maximalen Rang von 99 erreicht, könnte es für jeden weiteren Aufstieg einen Behälter ähnlich der Feld-Expertise geben. Aber ein kompletter Reset? So bleibt mir außer dem Aufnäher für das Erreichen von Stufe 25 (im Bild oben) absolut gar nichts.

Strafe statt Belohnung

Da stellt sich mir die Frage, wofür der ganze Aufwand? Als Helfender wird man am Ende nur bestraft. Kommt man in die Gruppe eines Spielers, der den Hilferuf nur versehentlich ausgelöst hat, kann man sich den nächsten Spieler suchen. Landet man bei einem Agenten, der die Gruppe kurz vor dem Erreichen der 100% verlässt, ist der Fortschritt weg. Steckt man dennoch viel Zeit in das Beschützer-System gibt’s für die Aufstiege keinerlei Belohnung. Und am Ende ist nach ein paar Monaten wieder alles weg. Vielen Dank für nichts.

Tatsächlich habe ich die Tortur nur durchgezogen, weil ich unbedingt alle Belobigungen abschließen möchte. Spaß hatte ich in den wenigsten Fällen. Klar, man könnte nun argumentieren, ich hätte mein Ziel am Ende doch erreicht. Weshalb also beschweren?

Nun, das System an sich hat Potenzial und kann Spaß machen. Ich war teilweise überrascht davon, welche Ecken der Spielwelt man mal wieder zu Gesicht bekommt. Vor allem, wenn man Spielern hilft, die sich noch mitten in der Story befinden, kommt richtig viel Abwechslung auf. Und auch so findet man sich in den unterschiedlichsten Situationen wieder, was bei einem normalen Spieltag samt Jagd auf zielgerichtete Beute nur selten vorkommt.

Am Ende werden Agenten, die anderen helfen möchten, für meinen Geschmack aber zu viele Steine in den Weg gelegt. Wie sieht’s aus Massive, wie wäre es mit einer erneuten Überarbeitung?

So long, euer

jackennils

(Alternativer Titel: The Division 2 jetzt auch mit Hirtenkäse)

Hinweis: Bei diesem Beitrag handelt es sich um eine Kolumne, die ausschließlich die persönliche Meinung des Autors () und damit nicht zwangsläufig die des gesamten Teams wiederspiegelt.

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14 Kommentare

  1. Micha 4. Dezember 2019, 17:22 Uhr

    Vorm letzten großen Update war das Beschützer-System wirklich fürn Ar…!
    Aber seitdem gibts eigentlich nix zu nörgeln… Beschützerrang 25 hab lch problemlos erklommen Keine 2 Wochen hat es gedauert… Momentan bin ich bei Stufe 32.

    Man bekommt seitdem Update definitiv 1 Empfehlung bei 100% Fortschritt und ne 2te oben drauf, wenn der unterstützte Agent einen empfiehlt! Im Vergleich zu vorher ist ein Unterschied wie Tag und Nacht!!

    Man muss halt am Ball bleiben und fleißig unterstützen Von nix kommt nix…

    Mein Beschützer-Fazit: easy going

  2. jackennils MYD.net 18. November 2019, 12:49 Uhr

    Bitte achtet darauf, dass ihr mit den Kommentaren beim Thema dieses Artikels bleibt. Gerne können wir grundsätzliche Diskussionen um das Thema Spieleentwicklung führen, aber dann bitte im Forum. Dafür ist es da. Danke euch.

  3. DataK 17. November 2019, 13:02 Uhr

    FULL ACK
    Das System an sich hat Potential, aber die Haken und Ösen sind einfach gravierend.
    Das mit der fetten Watsche – voller Reset des Ranges – wird mich nun auch davon abhalten, großartig zu helfen. Mit dem Badge sind dann ja alle weitere Bemühungen für die Katz und ich finde es auch bescheuert, wenn ich einen Spieler mit LvL34 sehe, dann hat man schon eine Vorstellung davon wieviel Mühe dieser sich gegeben hat. Das Vorschlag weiter oben, den Rang nicht zu limitieren, oder sagen wir auf 9999 zu limitieren wäre sinniger, denn ein Spieler mit LvL246 ist ja schon fast altruistisch in seiner Spielzeit zu betiteln.
    Die erste Watsche – der letzte Reset – auch wenn es ein Badge gab, war auch fürn Arsch.
    Man hätte es umrechnen können, oder den Rang stehen lassen können.
    Manche Ideen sind so gut, die hätte Massive einfach nur ganz zu Ende denken sollen, schade das sie es nicht taten. Aber die Hoffnung auf Nachbesserung bleibt.

  4. RCE_KH 15. November 2019, 08:44 Uhr

    Der Artikel spricht vollkommen aus meinem Herz !

  5. rmmeinen 15. November 2019, 08:01 Uhr

    Danke für den Artikel. Hab ich so noch nicht gesehen. Liegt wahrscheinlich daran, das ich keine Belobigungen mache. Ich helfe gern, macht aber nur Spaß, wenn man nicht in eine Gruppe kommt, die nur durchsprinten und Punkte sammeln. Was mich gestört hat ,ist die Ansage, das die Helferpunkte zurückgesetzt werden. Wenn ich so dastehe und auf Hilferuf warte, kann ich lange warten. wenn ich aber eine Mission markiert habe oder spiele oder Kopfgeld mache, bekomme ich relativ oft(auffallend) Hilferufe. Kann Zufall sein oder nicht, ist aber Eigenartig.

  6. Snahbux 15. November 2019, 07:48 Uhr

    Moin, der Trerad entspricht voll meiner Erfahrung.Habe aufgehört weiter zu helfen weil es voll nervig ist
    kurz vor Ende abgewatscht zuwerden. Allerdings würde ich auch gerne die vololen Belobigungs-
    punkte erreichen, aber wenn ich mir vorstelle bis zum Beschützer-Rang 99 diese nervige und frustrierende Aktion durch spielen zumüssen, nein Danke

  7. MattWebster 15. November 2019, 00:43 Uhr

    Ich würde gerne mal den Grund von den Entwicklern erfahren, wieso der Rang dann irgendwann wieder genullt wird. Das macht doch überhaupt keinen Sinn, dem Spieler seine angezeigte Leistung wieder abzunehmen. Die Anzeige im Spiel soll doch dazu dienen, den anderen Spielern zu zeigen, was er bereits geleistet hat. Vergleichbar mit dem Belobigungs-Score.
    Und ich gehe noch einen Schritt weiter: man könnte den Score sogar ganz ohne Limit machen. Wenn dann ein Spieler irgendwann mal mit Beschützer-Rang 163 herum läuft, dann sieht man daran noch deutlicher, was er für andere geleistet hat.
    Ich stimme den Erfahrungen in der Kolumne voll zu. Mein Rang 25 war auch eine teils frustrierende Arbeit. In Erinnerung bleibt mir der eroberte Rang4 Kontrollpunkt mit einem anderen Spieler und auf dem Balken standen am Ende nach der Eroberung 96% und er verlässt die Gruppe.
    Außerdem hatte ich immer das Gefühl, dass viele Spieler, gerade Einsteiger, gar nicht wissen, wie man die manuelle eigene Empfehlung abgibt. Das die im Gruppenmenü versteckt ist, das weiß nicht jeder. Und die UI-Einblendung wird nicht angezeigt und überdeckt, wenn man gleichzeitig einen Lvl-Up hat.

    Ja, schade, schade, das Helfer System hätte soviel Potential, aber nicht so, wie es derzeit ist.

  8. McRipolo 14. November 2019, 22:38 Uhr

    Mit Level 24 kann ich allem nur zustimmen, aber vorher war es noch schlimmer. Da war man von dem Voting abhängig:

    „In den meisten Fällen findet dies aber nicht oder nur nach mehrfacher Chat-Aufforderung statt.“

    Da war ein Level dann mehre Tage lang das selbe.

    Aber wie so oft hat Massiv das ganze nicht zu Ende gedacht.

  9. Rayvien27 14. November 2019, 17:54 Uhr

    Tja, daher habe ich es aufgegeben diese Belobigung zu machen, auf Konsole ist das mit der Verzögerung noch schlechter, zumindest mein Eindruck.

    Danke für die Kolumne, jacke ;))

    • snowy_163 14. November 2019, 23:21 Uhr

      Naja grundsätzlich muss man aber sagen, wenn man sich n bissl ins Zeug legt hat man das genze in ein paar tagen durch.
      Sicher nervts oft, aber trotzdem hab ich es nicht bereut gemacht zu haben. Ich fand es schon unterhaltsam zum Schluss raus und nur die Harten kommen in den Garten. ;)

      • McRip 14. November 2019, 23:28 Uhr

        Und trotzdem denkt man bei Level 25 endlich und nie wieder ;-)

        • snowy_163 15. November 2019, 06:48 Uhr

          Ja das schon xD aber man kann schon stolz sein wenn mans durchgezogen hat find ich. :-)

  10. Sascha Kaiser 14. November 2019, 17:48 Uhr

    Sehr gut geschrieben,stimme in allen Punkten mit dir überein. Der größte Aufreger ist für mich der Reset- völlig unnötig meiner Meinung nach. Motivierender wäre es,wenn das Unterstützen weiter zählen würde,damit es sich auch langfristig lohnt,am Ball zu bleiben. DZ Ränge werden ja auch nicht alle paar Wochen zurückgesetzt…

  11. snowy_163 14. November 2019, 17:31 Uhr

    Als fleißiger Helfer, welcher die Belobigung gemacht hat kann ich JEDEM einzelnen Punkt zustimmen!!! Alles geschriebene stimmt, hab genau die selbe Erfahrung damit gemacht…