Kolumne: Warum The Division nicht scheitern darf

Kolumne: Scheitern verboten!

Mit Tom Clancy’s The Division hat Ubisoft für 2015 ein ganz heißes Eisen im Feuer. Bei den Entwicklern von Massive Entertainment in Schweden arbeiten rund 400 Männer und Frauen an dem innovativen Openworld-Online-Rollenspiel-Shooter-Mix. Hinzu kommt zusätzliche Unterstützung seitens Ubisoft Reflections und Ubisoft Red Storm. Weshalb The Division dabei mehr als nur ein weiterer Titel im Portfolio des Publishers ist und keineswegs scheitern darf, möchte ich in dieser Kolumne erläutern.

Ubisoft’s Image

In der jüngsten Vergangenheit litt das Image des Publishers unter dem Wirbel um das Grafik-Downgrade bei Watch Dogs und den sehr holprigen Starts des Online-Rennspiels The Crew sowie Assassin’s Creed Unity. Hinzu kommt, dass die beiden zuletzt genannten Titel neben diversen technischen Macken auch spielerisch nicht mit einer Glanzleistung aufwarten konnten. Selbst ein kostenloser DLC für Käufer von Assassin’s Creed Unity konnte die Wogen der Unmut nicht glätten. Seither verfolgt die Spielergemeinde die Versprechen und Ankündigungen des Publishers mit besonders wachen Augen und – das muss man fairerweise sagen – teils überzogen kritisch.

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Eben jene Vergangenheit holte uns auch im Falle von The Division bereits ein. So gab es vor Monaten Gerüchte über ein mögliches Downgrade und auch meine letzte Kolumne behandelte dieses Thema. Sollte das Spiel nicht in jeder Hinsicht überzeugen, dürfte es für Ubisoft sehr schwer werden, das eigene Image wieder aufzupolieren. Ähnlich erging es Electronic Arts vor einigen Jahren; sogar die Wahl zur schlimmsten Firma der USA wurde zwei Jahre in Folge gewonnen. Der fahle Beigeschmack am Namen EA blieb bis heute erhalten.

Die neue IP

The Division wird der erste Titel einer hoffentlich mehrteiligen Reihe im Tom Clancy Universum. Spiele mit dem Namen des 2013 verstorbenen Bestseller-Autors standen stets für spannende, meist actionreiche Spiele und Helden mit technisch modernsten Ausrüstungen in glaubwürdigen oder gar realistischen Szenarien. Zu den bekanntesten Titeln zählen diverse Ableger von Rainbow Six, Splinter Cell, Ghost Recon oder EndWar. Jetzt soll The Division der etwas müde gewordenen Marke Tom Clancy neues, frisches Leben einhauchen. Die Entwickler kreieren ein erschreckend plausibles Szenario in einer sehr realistisch anmutenden Spielwelt. Die Spielmechanik ist auf eine unendliche Spielzeit ausgelegt. Stets frischer und motivierender Endgame-Content soll auch nach Release langfristig motivieren.

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Um ein solch anspruchsvolles Ziel zu verwirklichen bedarf es sehr viel harter Arbeit, gutes Zeitmanagement und einer wohl überlegten Strategie; ein einfaches Unterfangen ist es sicherlich nicht. Doch Massive Entertainment scheint sich der Verantwortung und Größe der Aufgabe bewusst zu sein. Die Schweden kommen ursprünglich aus der Strategie-Ecke, ein Genre, das in den letzten Jahren zunehmend an Relevanz verlor. So gesehen ist The Division auch für sie eine Art Neuanfang und Zukunftssicherung zugleich. Das Team setzte sich selbst das ehrgeizige Ziel, einen Metacritic-Score von mindestens 90 Prozentpunkten zu erreichen.

Die Engine der Zukunft

Grafisch sorgt das Online-Rollenspiel regelmäßig für offenstehende Münder. Die eigens entwickelte Snowdrop Engine will das erste wahre Next-Gen-Erlebnis auf den heimischen TV respektive Monitor zaubern. Gestochen scharfe Texturen gepaart mit technisch herausragenden Shadern, einer realistischen Physikberechnung – übrigens powered by Havok – sowie einem extrem flexiblen und leicht zu bedienenden Editor, sind nur einige Merkmale des modernen Grafikmotors.

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Logisch, dass Ubisoft auch abseits von The Division großes Interesse daran hat, auch bei anderen Titeln auf Snowdrop zu setzen. Die Zukunft des Grafikgerüsts dürfte also auch stark von der technischen Reife zum Releasezeitpunkt abhängen. Erneut großer Druck für die Entwickler, die jedoch auch für die PC-Version mehr als eine einfache Portierung versprechen. Zudem soll die Unterstützung von NVIDIA GameWorks für eine Extraportion Augenschmaus sorgen.

Fazit

Tom Clancy’s The Division stellt einige Weichen; sowohl für Publisher Ubisoft als auch für Massive Entertainment und die Marke Tom Clancy. Ein Fehlschlag könnte fatale Folgen für alle Beteiligten haben. Von der Enttäuschung der Fans und deren unweigerlich folgendem Unmut mal gänzlich abgesehen. Hoffen wir also, dass das Spiel auch wirklich erst dann erscheint, wenn es fertig und ausgereift ist.

Wir sind gespannt, was die Entwickler für die diesjährige E3 im Juni vorbereitet haben. Von offizieller Seite gibt es noch keine Infos, doch wenn der Titel wirklich noch 2015 erscheinen soll, dürfte die PR-Maschinerie nun langsam anlaufen. Die Messe wäre die perfekte Gelegenheit. Wir bleiben für euch am Ball, versprochen!

 

So long, euer

jackennils